In der Schweiz führt der kürzeste Weg zu einer Stelle oft nicht über ein Inserat, sondern über einen Menschen. Viele Positionen werden besetzt, bevor sie je ausgeschrieben werden, und wer besetzt sie? Meist jemand, den bereits eine Person im Unternehmen kennt oder empfohlen hat. Genau deshalb ist Netzwerken keine nette Ergänzung zur Bewerbung, sondern einer der wirksamsten Kanäle überhaupt. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie in der Schweiz richtig netzwerken, mit konkreten Vorlagen für das Informationsgespräch, für LinkedIn und für die Bitte um eine Empfehlung.
Warum Netzwerken in der Schweiz so viel zählt
Der Schweizer Arbeitsmarkt hat einen grossen verdeckten Teil, den wir im Beitrag zum verdeckten Stellenmarkt beschreiben. Ein wesentlicher Teil davon, der Pool nie ausgeschriebener Stellen, ist praktisch nur über Beziehungen erreichbar. Dazu kommt die Schweizer Kultur des Vertrauens: Eine persönliche Empfehlung oder eine warme Vorstellung wiegt hier besonders schwer, weil Arbeitgeber ungern ein Risiko eingehen und lieber jemandem eine Chance geben, für den bereits eine vertraute Person bürgt. Netzwerken ist der Weg, genau dieses Vertrauen aufzubauen, bevor Sie es brauchen.
Netzwerken heisst nicht, um einen Job zu bitten
Der häufigste Denkfehler ist, Netzwerken mit Betteln zu verwechseln. Wer beim ersten Kontakt nach einem Job fragt, setzt die andere Person unter Druck und erhält meist eine höfliche Absage. Gutes Netzwerken dreht die Reihenfolge um: Sie fragen nach Rat, nicht nach einer Stelle, Sie hören mehr zu, als Sie reden, und Sie geben, bevor Sie nehmen, etwa indem Sie eine nützliche Information, einen Kontakt oder schlicht ehrliches Interesse anbieten. Beziehungen, die so entstehen, tragen später von selbst, wenn tatsächlich eine Stelle frei wird.
Das Informationsgespräch: der wichtigste Zug
Das Informationsgespräch ist das stärkste Einzelwerkzeug im Netzwerken. Sie bitten eine Person um zwanzig Minuten, um mehr über ihre Rolle, ihr Team oder ihre Branche zu erfahren, ausdrücklich nicht um einen Job. Weil die Bitte klein und schmeichelhaft ist, sagen die meisten Ja.




