Ein gutes Arbeitszeugnis öffnet Türen, ein schwaches schliesst sie leise. In der Schweiz haben Sie nach Artikel 330a des Obligationenrechts (OR) einen gesetzlichen Anspruch darauf, und trotzdem wissen die wenigsten, wie ein korrektes Zeugnis aufgebaut sein muss und was die höflichen Formulierungen wirklich bedeuten. Genau dort entscheidet sich, ob Ihr nächster Arbeitgeber Sie einlädt oder aussortiert.
Dieser Leitfaden gibt Ihnen eine vollständige Arbeitszeugnis-Vorlage nach Schweizer Recht, erklärt die sieben Pflichtteile, entschlüsselt die berühmte Zeugnissprache samt Notenskala und zeigt Ihnen, was Sie tun können, wenn Ihr Zeugnis zu schwach ausfällt. Am Ende können Sie Ihr eigenes Zeugnis Zeile für Zeile prüfen.
Ihr Recht auf ein Arbeitszeugnis in der Schweiz
Die rechtliche Grundlage ist Art. 330a OR. Er hält fest, dass jede angestellte Person jederzeit ein Zeugnis verlangen kann, das sich über Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses sowie über Leistung und Verhalten ausspricht. Sie müssen dafür nicht kündigen: Auch während eines laufenden Arbeitsverhältnisses haben Sie Anspruch auf ein Zwischenzeugnis.
Das Gesetz unterscheidet zwei Arten. Das qualifizierte Zeugnis (Vollzeugnis) beschreibt Tätigkeit, Leistung und Verhalten. Das einfache Zeugnis (Arbeitsbestätigung) nennt nur Art und Dauer der Anstellung, ohne Bewertung. In den meisten Fällen wollen Sie das qualifizierte Zeugnis, weil nur dieses Ihre berufliche Weiterentwicklung fördert. Die Wahl liegt bei Ihnen, nicht beim Arbeitgeber.
Zwei Grundsätze stehen dabei in Spannung zueinander: Wahrheit und Wohlwollen. Das Zeugnis muss wahr und vollständig sein, gleichzeitig soll es wohlwollend formuliert sein und Ihr Fortkommen nicht unnötig erschweren. Das Bundesgericht hat in BGE 129 III 177 klargestellt: Wenn die beiden Prinzipien kollidieren, geht die Wahrheit vor. Sie haben Anspruch auf ein objektiv wahres Zeugnis, nicht auf ein möglichst gutes.
Der Aufbau: die sieben Pflichtteile
Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis folgt in der Schweiz einer festen Struktur. Fehlt einer dieser Teile oder ist er auffällig kurz, ist das für erfahrene Personalverantwortliche bereits ein Signal.





