Die Bewerbung bei der Polizei ist ein umfassender Prozess, der weit über das Einreichen eines Lebenslaufs hinausgeht. Je nach Bundesland umfasst das Auswahlverfahren einen schriftlichen Einstellungstest mit Diktat und kognitivem Leistungstest, einen Sporttest mit Ausdauer- und Kraftübungen, ein Assessment-Center mit Gruppengespräch und Rollenspiel sowie eine polizeiärztliche Untersuchung.
Ihre schriftliche Bewerbung bildet die Grundlage für die Zulassung zu diesen Stufen: werden die formalen Voraussetzungen nicht erfüllt oder sind die Unterlagen unvollständig, endet das Verfahren bereits vor dem ersten Test. Deshalb ist eine sorgfältig vorbereitete Bewerbung unverzichtbar.
Im Anschreiben müssen Sie Ihre Motivation für den Polizeiberuf glaubwürdig darlegen. Personalentscheider lesen täglich Hunderte generische Motivationsschreiben.
Heben Sie sich ab, indem Sie konkret beschreiben, welche Erlebnisse oder Werte Sie zur Polizei geführt haben. Vermeiden Sie Fernsehklischees und zeigen Sie stattdessen, dass Sie die realen Anforderungen des Berufs kennen: Schichtdienst, Konfliktlösungskompetenz, Belastbarkeit in Extremsituationen.
In diesem Leitfaden behandeln wir alle Aspekte der Polizeibewerbung: von den landesspezifischen Voraussetzungen über die optimale Gestaltung Ihrer Unterlagen bis hin zu konkreten Tipps für Sporttest und mündliche Prüfung. Wir geben Ihnen außerdem einen Überblick über die Besoldung in verschiedenen Laufbahngruppen und die langfristigen Karriereperspektiven im Polizeidienst.
Übernehmen Sie die Begriffe aus der konkreten Stellenanzeige wortgleich. Bewerbermanagement-Systeme gleichen Ihren Text mit den Anforderungen ab, deshalb gehören die exakten Schlüsselwörter aus der Anzeige in Ihren Lebenslauf.
Pro Monat (brutto). Quellen: Stepstone Gehaltsreport 2025, Gehalt.de, Bundesagentur für Arbeit
Sportliche Fitness und körperliche Leistungstests nicht erwähnen
Fügen Sie einen Abschnitt 'Sport und Fitness' hinzu: Deutsches Sportabzeichen, Schwimmnachweis, Kampfsporttraining oder Mannschaftssport. Die Polizei bewertet körperliche Fitness als Einstellungskriterium.
Ehrenamtliches Engagement weglassen
Die Polizei schätzt gesellschaftliches Engagement: Freiwillige Feuerwehr, DRK, THW, Jugendtrainerarbeit oder Schöffe. Diese Tätigkeiten belegen soziale Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein.
Führerscheinklassen und Fahrpraxis nicht angeben
Listen Sie alle Führerscheinklassen auf (B, BE, A, C) und erwähnen Sie Ihre Fahrpraxis in Kilometern oder Jahren. Für den Polizeidienst ist mindestens Klasse B zwingend erforderlich.
Zeitliche Lücken im Lebenslauf nicht erklären
Die Polizei prüft Ihren Lebenslauf besonders gründlich auf Lücken, da eine Zuverlässigkeitsüberprüfung Teil des Verfahrens ist. Jeder Zeitraum muss erklärt sein: auch Auslandsaufenthalte, Reisen oder Wartesemester.
Zu wenig Fokus auf Teamarbeit und Kommunikationsfähigkeit
Polizeiarbeit ist Teamarbeit. Beschreiben Sie Erfahrungen in Gruppen oder Vereinen, Konfliktsituationen, die Sie gelöst haben, und Beispiele für erfolgreiche Zusammenarbeit. Diese Soft Skills sind im Auswahlgespräch zentral.
Welche Voraussetzungen brauche ich für die Polizei-Bewerbung?
Die Voraussetzungen variieren nach Bundesland und Laufbahn. Für den mittleren Dienst (in den meisten Ländern inzwischen abgeschafft zugunsten des gehobenen Dienstes) benötigen Sie mindestens einen Realschulabschluss. Für den gehobenen Polizeivollzugsdienst ist Abitur, Fachabitur oder ein gleichwertiger Abschluss erforderlich. Allgemeine Voraussetzungen sind: deutsche Staatsangehörigkeit oder EU-Bürgerschaft, Mindestalter 16 bis 17 Jahre (je nach Land), ein einwandfreies Führungszeugnis, keine Vorstrafen, Schwimmfähigkeit und ein Führerschein Klasse B (oft bis zum Ende der Ausbildung nachholbar). Die Mindestgröße wurde in den meisten Bundesländern abgeschafft, dafür müssen Sie den Sporttest bestehen.
Wie hoch ist das Gehalt als Polizeibeamter?
Polizeibeamte werden nach dem Besoldungsrecht bezahlt. Polizeikommissarsanwärter im Vorbereitungsdienst erhalten rund 1.400 Euro netto. Nach Abschluss der Ausbildung steigen Sie als Polizeikommissar in die Besoldungsgruppe A9 ein und erhalten je nach Bundesland zwischen 2.800 und 3.200 Euro brutto. Mit Zulagen für Schichtdienst, Wochenendarbeit und Gefahrenzulagen kommen nochmals 200 bis 500 Euro hinzu. Polizeioberkommissare (A10) verdienen 3.400 bis 3.800 Euro, Polizeihauptkommissare (A11) 3.800 bis 4.300 Euro. Im höheren Dienst (ab A13) liegen die Bruttogehälter bei über 5.000 Euro. Als Beamte zahlen Sie keine Arbeitslosenversicherung und erhalten Beihilfe zur Krankenversicherung, was die Nettobezüge deutlich erhöht.
Was wird im Sporttest der Polizei gefordert?
Der Sporttest variiert je nach Bundesland, umfasst aber typischerweise folgende Disziplinen: Ausdauerlauf oder Cooper-Test (2.400 Meter in 12 Minuten), Pendellauf oder Kasten-Bumerang-Test für Koordination und Schnelligkeit, Bankdrücken oder Klimmzüge für Oberkörperkraft, Standweitsprung für Sprungkraft. In manchen Ländern gibt es zusätzlich einen Hindernisparcours oder einen 100-Meter-Sprint. Das Bestehen des Sporttests ist eine zwingende Voraussetzung: wer durchfällt, scheidet aus dem Verfahren aus. Trainieren Sie mindestens 6 Monate vorher gezielt und testen Sie Ihre Leistung unter Wettbewerbsbedingungen. Die geforderten Mindestleistungen finden Sie auf der Karriereseite Ihres Bundeslandes.
Kann ich mich als Quereinsteiger bei der Polizei bewerben?
Grundsätzlich bildet die Polizei selbst aus: ein klassischer Quereinstieg wie in der Wirtschaft ist selten möglich. Allerdings gibt es Ausnahmen: Einige Bundesländer bieten verkürzte Ausbildungsgänge für Bewerber mit abgeschlossener Berufsausbildung oder Studium an. Die Bundespolizei nimmt gelegentlich Seiteneinsteiger mit IT- oder Sprachkenntnissen auf. Beim BKA können Juristen, IT-Spezialisten und Naturwissenschaftler in den höheren kriminaltechnischen Dienst einsteigen. In jedem Fall müssen Sie das Auswahlverfahren inklusive Sporttest und ärztlicher Untersuchung bestehen. Informieren Sie sich frühzeitig bei der Einstellungsberatung Ihres Bundeslandes über aktuelle Sonderprogramme.
Wie strukturiere ich meinen Lebenslauf für die Polizeibewerbung?
Beginnen Sie mit persönlichen Daten einschließlich Staatsangehörigkeit und Führerscheinklasse. Es folgt der Abschnitt Schulbildung mit allen Abschlüssen und Noten: die Polizei fordert häufig beglaubigte Zeugniskopien an. Dann Berufserfahrung oder Praktika in umgekehrt chronologischer Reihenfolge mit konkreten Tätigkeitsbeschreibungen. Ein separater Abschnitt für Sport und Fitness ist bei der Polizeibewerbung ungewöhnlich, aber sehr empfehlenswert. Fügen Sie außerdem Fremdsprachenkenntnisse mit Niveaustufe (A1 bis C2), EDV-Kenntnisse und ehrenamtliches Engagement hinzu. Der Lebenslauf sollte maximal zwei Seiten lang sein und keine Lücken aufweisen.
Welche Karrieremöglichkeiten gibt es innerhalb der Polizei?
Die Polizei bietet vielfältige Spezialisierungen und Aufstiegsmöglichkeiten. Nach der Grundausbildung im Streifendienst können Sie sich für die Kriminalpolizei, Verkehrspolizei, Bereitschaftspolizei oder Wasserschutzpolizei spezialisieren. Besondere Verwendungen umfassen Spezialeinsatzkommandos (SEK), Mobile Einsatzkommandos (MEK), Hundeführung, Reiterstaffel, Hubschrauberstaffel oder Cyberkriminalität. Ein Aufstieg vom gehobenen in den höheren Dienst ist durch ein Masterstudium an der Deutschen Hochschule der Polizei möglich. Fachkarrieren in der IT-Forensik, Kriminaltechnik oder Prävention werden zunehmend wichtiger. Dokumentieren Sie in Ihrem Lebenslauf bereits früh, in welche Richtung Ihre Interessen gehen: das zeigt Zielstrebigkeit und wird im Auswahlgespräch positiv bewertet.