Das Anschreiben ist in Deutschland kein optionaler Bestandteil deiner Bewerbung. Auch wenn die Stellenanzeige davon spricht, dass es "freiwillig" sei, erwarten die meisten Personalverantwortlichen es weiterhin und nutzen es als zweite Lesefilter neben dem Lebenslauf. In dieser Anleitung erfährst du, wie ein Anschreiben aufgebaut ist, welche Formulierungen wirken und welche Fehler den Unterschied zwischen Einladung und Absage machen.
Wenn du direkt loslegen willst, kannst du dein Anschreiben mit dem CareerKit Anschreiben-Generator Schritt für Schritt aufbauen und im selben Layout wie deinen Lebenslauf gestalten. Wir gehen aber zuerst durch, was wirklich hineingehört und warum.
Warum das Anschreiben in Deutschland weiterhin entscheidet
In angelsächsischen Märkten gilt das Cover Letter zunehmend als optional. In Deutschland ist das anders. Hier bleibt das Anschreiben in den meisten Branchen Standard, und sein Wegfall fällt negativ auf.
Was Personaler vom Anschreiben erwarten
Der Lebenslauf liefert Fakten. Das Anschreiben liefert Begründung, Motivation und Persönlichkeit. Das Career Services der Universität Zürich bringt es auf den Punkt: Am Ende soll die lesende Person wissen, warum du dich bewirbst, welche Anforderungen du erfüllst, was dich von anderen unterscheidet und warum du zum Unternehmen passt. Vier Fragen, eine Seite, klare Antworten.
Studien zur Bewerbungssichtung zeigen, wie wenig Zeit du hast. Eine Eye-Tracking-Studie von Ladders, berichtet von HR Dive, kam auf durchschnittlich 7,4 Sekunden für den ersten Scan eines Lebenslaufs. Beim Anschreiben ist die erste Lesezeit ähnlich kurz. Personaler überfliegen die Einleitung, springen zum Schlussabsatz und entscheiden in unter einer Minute, ob sich der zweite, gründlichere Blick lohnt.
Wann es Pflicht ist und wann optional
In Deutschland ist das Anschreiben de facto Pflicht. iamexpat.de hält für internationale Bewerber fest, dass die meisten Personalverantwortlichen ein Anschreiben erwarten, auch wenn die Stellenanzeige es nicht ausdrücklich verlangt. Eine Bewerbung ohne Anschreiben wirkt unvollständig und wird in vielen Personalabteilungen direkt aussortiert.
Es gibt Ausnahmen. Spezialisierte Tech-Recruiter und manche Start-ups akzeptieren Bewerbungen über Plattformen wie LinkedIn Easy Apply ohne Anschreiben. Auch interne Bewerbungen kommen oft mit einer kurzen E-Mail aus. Bei klassischen Festanstellungen, im öffentlichen Dienst, in der Industrie und im Mittelstand bleibt das Anschreiben aber gesetzt.
Anschreiben versus Motivationsschreiben
Beide Dokumente werden oft verwechselt, sind aber unterschiedlich. Ein Anschreiben, auch Bewerbungsschreiben genannt, gehört zu Stellenbewerbungen und fokussiert auf Qualifikationen, Erfahrungen und die Eignung für den konkreten Job. Ein Motivationsschreiben gehört zu Studienbewerbungen, Stipendien und Promotionen und geht stärker auf akademische Ziele, persönliche Beweggründe und Lebensentscheidungen ein. Verwechselst du die beiden, fällt das sofort auf.
Aufbau eines Anschreibens
Das Anschreiben folgt der Struktur eines Geschäftsbriefes nach DIN 5008. Diese Struktur ist nicht Geschmackssache. Wenn du davon abweichst, signalisierst du der lesenden Person, dass du die Norm nicht kennst.
Briefkopf und Empfängerdaten
Der Briefkopf enthält deine vollständigen Kontaktdaten: Vor- und Nachname, Straße und Hausnummer, Postleitzahl und Wohnort, Telefonnummer sowie eine seriöse E-Mail-Adresse. Idealerweise gestaltest du diesen Block im selben Layout wie auf deinem Lebenslauf, damit die Bewerbung als Einheit wirkt. Eine ausführliche Beschreibung jedes Bausteins der Bewerbungsmappe findest du in der Anatomie eines Lebenslaufs.
Unter dem Briefkopf folgen die Empfängerdaten linksbündig: Unternehmensname, Name der konkreten Ansprechperson (falls bekannt), Abteilung, Straße, Postleitzahl und Ort. Rechtsbündig auf gleicher Höhe steht der Versandort und das aktuelle Datum im Format TT.MM.JJJJ.
So sieht das in der Praxis aus:
Anna Berger Hauptstraße 14, 60311 Frankfurt am Main anna.berger@email.de | +49 175 1234567
Müller AG Personalabteilung, Herr Thomas Schmidt Bahnhofstraße 22 10115 Berlin
Frankfurt am Main, 13.05.2026
Datum und Betreffzeile
Die Betreffzeile steht zwei Zeilen unter den Empfängerdaten, ist linksbündig und fettgedruckt. Das Wort "Betreff" oder "Betr." schreibst du nicht mehr dazu, das gilt als veraltet. Stattdessen formulierst du den Zweck deines Schreibens direkt und nennst, wenn vorhanden, die Referenznummer.
Eine schwache Betreffzeile sieht so aus:
Bewerbung
Und so wirkt sie sofort konkreter:
Bewerbung als Projektmanagerin im Bereich Digital Transformation, Referenz DT-2026-042
Anrede
Die Anrede sollte einer konkreten Person gelten. Wer schreibt "Sehr geehrte Damen und Herren", signalisiert, dass er sich nicht die Mühe gemacht hat, den Ansprechpartner zu recherchieren. Das Career Services der Universität Zürich rät, im Zweifel kurz im Unternehmen anzurufen, um den Namen der zuständigen Person in der Personalabteilung zu erfragen.
Die Standardformulierung lautet "Sehr geehrte Frau Schmidt" oder "Sehr geehrter Herr Müller". Nach der Anrede steht ein Komma, der nachfolgende Text beginnt klein. "Sehr geehrte Damen und Herren" verwendest du nur, wenn du den Namen trotz Recherche nicht herausfinden kannst.
Einleitungssatz
Die Einleitung entscheidet darüber, ob der Rest des Anschreibens gelesen wird. Verzichte auf Standardfloskeln wie "Hiermit bewerbe ich mich" oder "Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen". Diese Sätze stehen in neunzig Prozent aller Anschreiben und sagen über dich nichts aus.
Ein schwacher Einleitungssatz liest sich so:
Hiermit bewerbe ich mich auf die ausgeschriebene Stelle als Projektmanagerin in Ihrem Unternehmen.
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