Wenn Sie sich im Ausland oder bei einer internationalen Firma bewerben, stossen Sie schnell an eine Grenze: Das deutsche oder Schweizer Arbeitszeugnis kennt man dort nicht. Recruiter im englischsprachigen Raum erwarten stattdessen ein Reference Letter oder ein Letter of Recommendation, also ein direktes Empfehlungsschreiben statt eines codierten Zeugnisses.
Der wichtigste Unterschied liegt in der Kultur. Das deutsche Arbeitszeugnis ist von der Zeugnissprache geprägt, in der scheinbar freundliche Formulierungen versteckte Bewertungen tragen.
Ein englisches Reference Letter dagegen ist offen, positiv und geradeaus. Wer empfiehlt, lobt konkret und ohne Geheimcode.
Diese Direktheit müssen Sie kennen, damit Ihre Unterlagen im Ausland richtig wirken. Auf dieser Seite erfahren Sie, worin sich Reference Letter und Arbeitszeugnis unterscheiden, wer ein solches Schreiben ausstellt und was hineingehört.
Ausserdem zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihr bestehendes deutsches Arbeitszeugnis auf Englisch bringen und wie Sie Referenzen im englischen Lebenslauf angeben. So treten Sie bei internationalen Bewerbungen souverän und passend zur jeweiligen Erwartung auf.
Das deutsche Arbeitszeugnis ist ein rechtlich geregeltes Dokument mit einer eigenen, verschlüsselten Sprache. Formulierungen wie stets zu unserer vollen Zufriedenheit tragen eine Note, die nur Eingeweihte lesen.
Im englischsprachigen Raum gibt es diese Geheimcodes nicht. Ein Reference Letter oder Letter of Recommendation lobt offen und benennt Stärken direkt, ohne dass man zwischen den Zeilen suchen muss.
Ausserdem ist das englische Empfehlungsschreiben meist kürzer und persönlicher. Oft genügt eine halbe bis eine Seite.
In vielen Fällen wird gar kein fertiges Schreiben verlangt, sondern nur die Kontaktdaten einer Referenzperson, die ein Arbeitgeber bei Bedarf direkt anruft oder anschreibt. Diese mündliche Referenz ist im angelsächsischen Raum völlig üblich und ersetzt das schriftliche Zeugnis.
Ein Reference Letter schreibt in der Regel Ihre direkte Führungskraft, also der Line Manager, manchmal auch eine Person aus dem Personalbereich oder eine Kundin, mit der Sie eng zusammengearbeitet haben. Entscheidend ist, dass die Person Ihre Leistung aus eigener Anschauung beurteilen kann und bereit ist, für Sie einzustehen.
Inhaltlich nennt das Schreiben Ihre Rolle und den Zeitraum der Zusammenarbeit, beschreibt Ihre Aufgaben und hebt zwei bis drei konkrete Stärken oder Erfolge hervor. Am Ende steht eine klare Empfehlung, oft verbunden mit dem Angebot, für Rückfragen zur Verfügung zu stehen.
Konkrete Beispiele wirken dabei stärker als allgemeines Lob, etwa ein erfolgreich geleitetes Projekt oder eine messbare Verbesserung.
Wenn Sie bereits ein deutsches oder Schweizer Arbeitszeugnis besitzen, haben Sie zwei Wege. Sie können es übersetzen lassen oder Ihren früheren Arbeitgeber bitten, ein neues Reference Letter direkt auf Englisch auszustellen.
Die zweite Variante ist oft die bessere, weil die codierte Zeugnissprache sich schlecht übersetzen lässt und im Ausland ohnehin nicht verstanden wird. Entscheiden Sie sich für eine Übersetzung, achten Sie auf Qualität.
Für offizielle Zwecke, etwa bei Behörden oder Hochschulen, kann eine beglaubigte Übersetzung durch eine anerkannte Fachperson nötig sein. Für normale Bewerbungen reicht meist eine saubere, professionelle Übersetzung, die Fachbegriffe korrekt wiedergibt.
Legen Sie bei Bedarf das Original bei, damit der Empfänger beide Fassungen vergleichen kann.
Im englischen Lebenslauf, dem CV oder Resume, werden Referenzen anders behandelt als im deutschen Raum. Sie fügen selten ein komplettes Schreiben bei.
Üblich ist der kurze Hinweis References available on request am Ende des Dokuments oder eine kleine Liste mit Referenzpersonen samt Funktion, Firma und Kontaktdaten. Fragen Sie Ihre Referenzpersonen immer vorher, ob Sie sie angeben dürfen, und informieren Sie sie, wenn eine Bewerbung in die engere Wahl kommt.
So ist niemand von einem Anruf überrascht und kann Sie überzeugend empfehlen. Zwei bis drei gut vorbereitete Referenzen sind wertvoller als eine lange Liste unvorbereiteter Kontakte.
Was ist das englische Pendant zum Arbeitszeugnis?
Im englischsprachigen Raum gibt es kein Arbeitszeugnis im deutschen Sinn. Stattdessen nutzt man ein Reference Letter oder Letter of Recommendation, also ein direktes Empfehlungsschreiben. Oft genügen auch die Kontaktdaten einer Referenzperson, die der neue Arbeitgeber bei Bedarf kontaktiert.
Gibt es Geheimcodes wie im deutschen Zeugnis?
Nein. Ein englisches Reference Letter ist offen, positiv und geradeaus formuliert. Die codierte Zeugnissprache mit versteckten Bewertungen kennt man im angelsächsischen Raum nicht. Was gelobt wird, ist wörtlich so gemeint.
Muss ich mein Arbeitszeugnis übersetzen lassen?
Nicht zwingend. Oft ist es besser, ein neues Reference Letter direkt auf Englisch ausstellen zu lassen, weil sich die deutsche Zeugnissprache schlecht übersetzen lässt. Wenn Sie übersetzen, kann für Behörden oder Hochschulen eine beglaubigte Übersetzung nötig sein, für normale Bewerbungen genügt meist eine saubere professionelle Fassung.
Wer schreibt ein Reference Letter?
In der Regel Ihre direkte Führungskraft, der Line Manager, manchmal auch eine Person aus dem Personalbereich oder eine Kundin. Wichtig ist, dass die Person Ihre Leistung aus eigener Anschauung beurteilen und für Sie einstehen kann.
Wie gebe ich References im CV an?
Meist reicht der Hinweis References available on request am Ende des Dokuments. Alternativ listen Sie zwei bis drei Referenzpersonen mit Funktion, Firma und Kontaktdaten. Fragen Sie diese Personen vorher um Erlaubnis und informieren Sie sie, wenn ein Anruf zu erwarten ist.